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Marc Kadel


MRN-Botschafter in:

Chongqing Foreign Language School attached to Sichuan University, Chongqing

Aufenthalt:

September 2008 bis Juni 2009

Alter:

16 Jahre

Wohnort:

Landau, Rheinland-Pfalz

Heimat-Schule:

Konrad-Adenauer-Realschule

Lieblingsfächer:

Deutsch, Englisch, Geschichte

Hobbies:

Musik hören, mit Freunden treffen, ins Kino gehen, Chinesisch lernen

Berufswunsch:

Fremdsprachenkorrespondent, Hotelfachmann, Deutschlehrer Asien

Mein Lebensmotto:

Wer einen Konflikt vermeiden kann, hat ihn schon gewonnen

MRN heißt für mich:

Eine große Unterstützung zu meinem Austauschjahr

Mein Lieblingsplatz in der MRN ist:

Park am Wasserturm in Mannheim

Von meinem Auslandsaufenthalt erwarte ich mir:

Die chinesische Sprache zu erlernen, über meine Grenzen gehen zu können

MRN-Botschafter zu sein bedeutet für mich:

Die MRN vernünftig zu vertreten

 

 


Webtagebuch


3. Februar 2009

Mittlerweile lebe ich schon über 3 Monate hier. Ich lebe in einem neu errichteten Bezirk der Millionenstadt ChongQing. Mittlerweile konnte ich schon feststellen, dass die Chinesen in meinem Bezirk gut Geld verdienen. ChongQing ist eine Stadt, die gerade ihr Leben im Scheinwerferlicht Chinas genießt. Mittlerweile habe ich mich an mein chinesisches Leben, den Alltag und die Leute hier gewöhnt. Ich habe allerlei Spezialitäten ausprobiert, mache jeden Tag neue Erfahrungen und lerne neue Menschen kennen. Mir scheint es hier nie langweilig zu werden.  

 

Momentan haben hier gerade die langen Ferien begonnen. Das Frühlingsfest steht vor der Tür. Es werden viele Vorbereitungen getroffen, mit der Familie gereist und große Treffen veranstaltet. Letzte Woche war ich mit AFS auf einem Kulturtrip in Yunnan gewesen. Yunnan ist eine besondere Provinz, da sie die deutlichsten kulturellen und geographischen Unterschiede Chinas repräsentiert. Ich stand auf dem eiskalten Yulong Snow Mountain, spazierte im Stone Forest Park, schaute mir einige Tempel an und und und. Eine beeindruckende Reise, die ich mit tollen Leuten und Erinnerungen verknüpfe.  

 

Ich konnte mir - nach etwa 10 Stunden Auotfahrt - ein Bild der ländlicheren Seite ChongQings machen. Deutliche Unterschiede prägten sich mir ein. Leute, die abgeschottet von jeglicher Zivilisation, ohne Elektrizität oder warmem Wasser leben. Tagsüber den ganzen Tag auf dem Reisfeld arbeiten und das Vieh mit sich schleppen.  

 

Außerdem nehme ich nächste Woche mit meiner Gastfamilie und Gastgrosseltern einen Flug nach Hunan. Zum Geburtsort Mao Zedongs. Ich freue mich schon sehr darauf.  

 

Ich kann gar nicht aufzählen wie viel sich für mich hier schon verändert hat. Neben den ganzen tollen Orten und Menschen, die ich jetzt schon kennen gelernt habe, sind da immer noch diese ganz persönlichen Momente. Ich mag es, die chinesische Sprache zu benutzen und mit Stäbchen zu essen. Ich finde es immer noch aufregend mit dem Bus nach der Schule über 1 Stunde Nachhause zu fahren. Ich gehe gerne mit meiner Gastmutter Filme kaufen. Ich bin gerne mit meiner Gastfamilie bei Freunden und Verwandten zu Besuch. Ich werde gern anderen Leuten vorgestellt. Manchmal spiele ich gerne die Rolle des ahnungslosen Ausländers. Ich bring meinen Gastgrosseltern gerne die englische Sprache bei. Es gibt so viele Dinge, die ich aufzählen könnte. Aber der Punkt dabei ist, dass es mein Austauschjahr ist, was ich an der ganzen Sache so toll finde - dass ich mich dazu entschlossen habe, meine Koffer zu packen, „Auf Wiedersehen“ zu sagen und nach China zu gehen.  

 

Oftmals ist China jedoch nur ein einziges Rätsel für mich. Es gibt Dinge, die ich als Ausländer wahrscheinlich niemals ganz verstehen werde, aber die mir immerhin schon mal sehr nahe hier gebracht werden, was dir als Tourist etc. kaum jemals möglich sein wird.  

 

Was ich nicht mag, kann ich kaum beurteilen. Manchmal habe ich immer noch Probleme, mit dem Essen klar zu kommen oder der allgemeinen Hygiene der Chinesen in der Öffentlichkeit. Aber das sind nur Probleme, die für mich kaum von Bedeutung zu sind. Wenn man mal einen „schlechten“ Tag hat, können einem die Blicke der Chinesen ganz schön auf die Nerven gehen. Obwohl ich hier ja schon über 3 Monate lebe, werde ich immer noch sehr auf der Strasse angestarrt. Ob es mit Familie, Freunden oder in der Schule ist, ist da völlig bedeutungslos. Ich werde auf der Strasse von wildfremden Leuten nach einem Foto oder der Handynummer angesprochen. In Deutschland sind wir es doch gewohnt Asiaten auf der Strasse zu begegnen, aber das ist hier eben wieder ein großer Unterschied  

 

Mit meiner Gastfamilie habe ich wirklich sehr viel Glück. Momentan ist es etwas stressig. Es wird viel gearbeitet. Die chinesischen Studenten können die Frühlingsferien über nach Hause. Manche haben ihr Zuhause ja seit einigen Monaten nicht mehr gesehen, da deren Familien einfach zu weit entfernt wohnen. Mein Gastvater hilft mir, wo er nur kann. Mein Gastbruder schläft unter der Woche in der Schule und kommt nur am Wochenende nach Hause. Aber da jetzt Ferien sind, können wir mehr Zeit miteinander verbringen. Mit meiner Gastmutter verbringe ich die meiste Zeit. Sie ist eine sehr lustige und aufgeschlossene Frau. Trotz der Sprachbarriere verstehen wir uns alle sehr gut. Die ganze Familie hilft mir beim Lernen der chinesischen Sprache. Übrigens haben wir uns vor ca. 2 1/2 Monaten einen Hund zugelegt. Dieser ist jetzt ein halbes Jahr alt.  

 

Die Monate gehen hier leider viel zu schnell vorbei. Ich sehe mich schon wieder am Flughafen stehen und ein weiteres Mal „Auf Wiedersehen“ zu den Leuten sagen, die ich während den letzten 10 Monaten in mein Herz geschlossen habe. Aber jetzt genieß ich erstmal die restlichen Monate, die ich hier noch habe und lebe in den Tag hinein.  

 

31. Oktober 2008

Ni hao!

 

Ich melde mich das erste Mal aus meinem neuen Zuhause in China. Entschuldigt meinen späten Wegtagebucheintrag, aber ich war und bin immer noch sehr beschäftigt hier.

 

Mittlerweile lebe ich jetzt schon über 1,5 Monate in China. Klingt für mich immer noch sehr ungewöhnlich muss ich zugeben. Jeden Tag lerne ich immer noch neue Menschen kennen, probiere neue Spezialitäten und besuche neue Orte, die mich immer wieder aufs Neue faszinieren. Es ist alles sehr aufregend!

 

Die Reise nach China war doch angenehm gewesen. Der 13-stündige Flug kam einem nicht so lange vor, wie er eigentlich war. Nachdem wir in Schanghai ankamen, mussten wir nicht lange warten und es ging sofort ins Arrival Camp. Dort wurden wir sehr herzlich und freundlich begrüßt. Wir lernten die Austauschschüler aus den anderen Ländern kennen, bekamen Unterricht in Chinesisch, wurden über einige Sitten aufgeklärt, was sich im nachhinein als wirklich hilfreich erwies und schauten uns Schanghai an. Schanghai war für mich eine außergewöhnlich beeindruckende Stadt gewesen!

 

Nach unserem zweiten Flug von Schanghai nach ChongQing trafen wir auf unsere Gastfamilien. Alle waren doch schon sehr aufgeregt gewesen. Uns war klar, dass wir mit dieser Familie - die wahrscheinlich doch schon so ganz anders sein wird als wir - klar kommen müssen. Diese würden einen großen Part unseres Austauschjahres einnehmen. Ich habe mit meiner Familie wirklich sehr viel Glück. Mein Gastvater spricht ein ordentliches Englisch, mein Gastbruder zeigt großes Interesse an mir und meine Gastmutter ist verdammt lustig. Mit ihr habe ich immer einen Riesenspaß.

 

Der Schulalltag ist lang und anstrengend! Normalerweise hätte ich bis 22.00 Uhr Schule wie alle anderen Studenten, aber dank meiner Gastfamilie, die unbedingt jeden Tag Dinner mit mir haben wollen, kann ich schon um 17.00 Uhr nach Hause gehen - was nicht heißt, dass ich dann weniger müde bin. Ich habe die normalen Fächer in meiner Klasse. In diesen Stunden, in denen ich übrigens gar nichts verstehe, lerne ich Chinesisch, höre Musik oder schlafe. Dazu habe ich eben noch alleinigen Unterreicht für Chinesisch, Kunst und P.E. (Sport) mit dem italienischen Austauschstudenten zusammen. Die Schule macht mir hier schon sehr Spaß, obwohl ich abends immer sehr müde ins Bett falle.

 

Mit der Sprache geht es voran. Chinesisch ist schwerer zu lernen als ich gedacht hatte. Nun bin ich eben schon fast zwei Monate hier und habe letztens festgestellt, dass ich die chinesische Sprache schon viel besser beherrsche als am Anfang. Hier kann ich mich nicht auf die faule Haut legen wie erwartet. Ich habe chinesische Hausaufgaben und muss für die chinesischen Examen lernen. Die Schriftzeichen sind doch schon sehr kompliziert und schwer zu erlernen. Aber ich habe immer noch sehr viel Spaß daran.

 

Mittlerweile bin ich auch nicht mehr so gehemmt und habe viel mehr Freiheiten. Ich bekomme das Gefühl, mich eingelebt zu haben. Ich fahre alleine mit dem Bus 50 Minuten nach Hause, laufe alleine in die Stadt, treffe mich mit Freunden und letztens habe ich mein erstes Taxi alleine angehalten und habe mich mit dem Taxifahrer auf chinesisch unterhalten. So verrückt es auch klingt, aber dieser Moment gehörte zu einem meiner Besten in China bisher, da ich gemerkt habe, dass ich die chinesischen Sitten des Alltags verstehe. Ich lerne Methoden anzuwenden, die du nur hier zu erlernen bekommst, in China.

 

PS: Essen ist das Wichtigste für die Chinesen.